Presseinformationen
L.I.F.E mit Gronemeyer: Höxteraner Maschinenbauer liefert innovatives Fördersystem für B. Braun Melsungen AG
L.I.F.E. mit Gronemeyer
(Höxter) Ein prominenter Gast eröffnete am 19. April die neue Produktionsstätte vom Medizintechnikhersteller B. Braun im hessischen Melsungen: Bundespräsident Horst Köhler übergab die hochmoderne Fertigung von Infusionslösungen L.I.F.E. ihrer Bestimmung. Die Stadt Melsungen mit ihrer Werkanlage Pfieffewiesen ist Sitz der B. Braun-Konzernzentrale, die neben der zentralen Verwaltung seit 2004 auch die Leading Infusion Factory Europe (L.I.F.E.) beherbergt, zu der die Gronemeyer Maschinenfabrik die innovative Fördertechnik beisteuerte.
Die B. Braun Melsungen AG als global agierendes medizinisches Versorgungsunternehmen mit rund 30.000 Mitarbeitern weltweit an über 50 Standorten baut mit diesem Großprojekt ihre Marktstellung weiter aus und sichert darüber hinaus auch Hunderte von Arbeitsplätzen für die Region. Mit der nunmehr vollzogenen offiziellen Eröffnung ist L.I.F.E. die größte in Europa errichtete Produktionsstätte zur Herstellung von Infusionslösungen. Das Projektvolumen für den Neubau stellt die größte Einzelinvestition in der über 165-jährigen Firmengeschichte von B. Braun dar.
Drei Produktionslinien
Über mehrere Produktionsschritte hinweg ist die Produktion bereits im Oktober 2004 mit der ersten Fertigungslinie gestartet; zwei weitere folgten bis zum April 2005. In der Gesamtkonzeption der L.I.F.E.-Produktionsstätte ist eine Software dafür zuständig, die verschiedenen Prozessleitsysteme auf der Produktionsebene mit dem System für die Ansteuerung der Gronemeyer-Fördertechnik zu koordinieren. Dabei stand eine gezielte Automation von Herstellvorgängen im Vordergrund der Überlegungen. Das Gesamtwerk und damit auch die Förderanlagen sollten dem neuesten Stand der Technik entsprechen.
Höchste Qualitätsanforderungen

- Stefan Schoppmeier (Gronemeyer; links) und Horst Böhnke (B. Braun)
Die Fördertechnik wurde nach dem aktuellen Stand der EU-GMP (Good Manufacturing Practice) und der FDA (Food and Drug Administration) geplant, errichtet, qualifiziert und validiert. In vielen Abstimmungs-Gesprächen und dem Projektstatus entsprechenden Abläufen haben die Gronemeyer-Projektverantwortlichen Stefan Schoppmeier und Peter Wichmann mit den Braun-Projektleitern wie Horst Böhnke die beste Lösung für die Fördertechnik gefunden.
Nach der Auftragsvergabe durch B. Braun entwickelte Gronemeyer in einem ersten Schritt die konzeptionelle Planung des Teilprojekts. Hierbei war Projektingenieur Stefan Schoppmeier kontinuierlich eingebunden: „Wir haben bestimmt mehr als zwanzig verschiedene Layouts entworfen, bis wir dann endlich einen verlässlichen und detaillierten Plan hatten, der alle Leistungs- und Eckdaten enthielt und in dem alle Aggregate und Förderwege exakt aufgeführt waren.“ In diesen Gesprächen konnte Gronemeyer als langjähriger Lieferant von B. Braun seine ganze Erfahrung bei der Konzeption moderner Fördertechnik einbringen. Für den steuerungstechnischen Part, war die Fa. Miprotek aus Buxtehude verantwortlich. Miprotek ist seit vielen Jahren der Automatisierer für die Fördersysteme, die Gronemeyer weltweit ausliefert.
Spezielle Fördersysteme

- "Revolverspeicher"
Die von der Gronemeyer Maschinenfabrik gelieferten Komponenten sind speziell auf die von Braun definierten besonderen Anforderungen zugeschnitten. So wird beispielsweise die Geschwindigkeit den Produktionsabläufen angepasst; bei eventuellen Störungen erfolgt automatisch ein Wechsel der Produktlinien, so dass die Maschinen weiter abfüllen können. Das Besondere an der Fördertechnik ist die Tatsache, dass sie einen Kreislauf darstellt. Die Werkstückträger bleiben somit im inneren Produktionsprozess, der Produktionsablauf wird nicht gestört, auch wenn es zu vereinzelten Störungen von Maschinen kommen sollte. Dank einer Neuentwicklung von Gronemeyer, dem sog. „Revolverspeicher“ ist es möglich, eine gewisse Zahl von Werkstückträgern zu bevorraten, damit die Füllmaschinen nicht stoppen müssen.
Insgesamt sind in alle drei Linien 1000 m Förderanlage sowie fünf Revolverspeicher und 20 Vertikalförderer mechanisch integriert. Ein Industrie-PC Typ Siemens PC670 mit ProTool/Pro als Visualisierungsoberfläche steuert die Anlage, die aus insgesamt drei Produktionsmodulen besteht. Diese beinhalten jeweils bis zu 60 frequenzgeregelte Antriebe sowie bis zu 400 digitale SPS-Eingänge mit bis zu 250 digitalen SPS-Ausgängen. Dafür verlegte unser Partner Miprotek jeweils 200 Meter Edelstahl-Kabelkanal und – trotz der dezentralen Technik – bis zu sieben Kilometer Leitungen.
Je Produktionsmodul erfolgt die Steuerung durch eine SPS-Steuerung Typ Siemens S7-400 mit bis zu 3 Profibus-Masteranschaltungen, die die Kommunikation mit der übergeordneten Leitsteuerung und allen Sensoren und Aktoren der Anlage übernehmen.
Die Geschwindigkeitsverstellung der Antriebe machen dezentrale Frequenzumrichter vom Typ SEW Movimot® möglich, die über Feldverteiler am Profibus angeschlossen sind. Über die Feldverteiler wird die Verbindung zur SPS-Steuerung, aber auch die Versorgung mit 400 V und 24 V hergestellt. So ist nicht nur der Profibus als "Bus" verlegt, sondern auch die 400 V und 24 V. Durch diese starke Dezentralisierung konnte der Schaltschrank, der in erster Linie nur eine Leistungsverteilung mit Master-Steuerung ist, mit einer Breite von maximal 2400 mm für eine Anlage dieser Größenordnung sehr klein ausfallen.
Die Gesamtproduktion der Infusionslösungen erfolgt in einer validierten Produktionsumgebung. Der gesamte Prozess läuft vom Wareneingang über Einwaage in einem Chargencontainer bis hin zum Ansatz des fertigen Produkts vollautomatisch. Nach Pufferlagerung und Filtration erfolgt die Abfüllung in die Behältnisse. Diese werden automatisch zum Sterilisator weitergeleitet. Danach werden die Gebinde abgekühlt und zum Konfektionieren bereitgestellt.

Die Fördertechnik von Gronemeyer hatte folglich die Anforderungen zu erfüllen, die an ein Projekt dieser Größenordnung gestellt wurden: Einbindung der Steuerungstechnik und enge Verzahnung aller Förderprozesse vor dem Hintergrund einer integrierten Produktionslogistik. Unter dem Strich ist Stefan Schoppmeier äußerst zufrieden mit „seinem“ Projekt: „Wir haben trotz der enormen Komplexität des Gesamtvorhabens in keiner Zeitphase irgendwelche größeren Probleme mit dem Einhalten wichtiger Vorgaben gehabt. Wir sind in der Branche wirklich bekannt für unsere Qualität und unsere Liefertreue!“
Innovative Produkte
Die neue Produktionsstätte in Melsungen wird ausschließlich den innovativen Infusionslösungsbehälter Ecoflac® plus in verschiedenen Ausführungen produzieren. Die von B. Braun produzierten Beutelflaschen aus Polyethylen enthalten Infusionslösungen, die als Massenprodukt weltweit ausgeliefert werden. Bis zu 220 Millionen Beutelflaschen in den Größen 100, 500 und 1000 Milliliter werden die drei Produktionslinien im Dreischichtbetrieb pro Jahr herstellen. Wichtige Anlagenkomponenten hat sich Braun patentieren lassen, um auch in den nächsten Jahren nicht nur den Innovationsvorsprung, sondern auch die entsprechenden Arbeitsplätze zu sichern.
Mit L.I.F.E. wird die bisherige Produktion von Infusionslösungen in Europa nahezu verdoppelt. Ein wichtiger Schritt, um das Weltunternehmen auch zukünftig wettbewerbsfähig zu halten. Europaweit steht B. Braun momentan auf dem dritten Platz im Markt für Infusionslösungen. Ehrgeiziges Ziel ist jedoch der erste Platz, und der ist, so L.I.F.E.-Gesamtprojektleiter Dr. Frank Hähner, erreichbar. „Das Tool, das Mittel, mit dem wir dies erreichen werden, ist diese Fabrik.“
Technische Daten:
Ein Industrie-PC Typ Siemens PC670 mit ProTool/Pro als Visualisierungsoberfläche steuert die Anlage. Sie besteht aus 3 Produktionsmodulen mit jeweils
- bis zu 60 frequenzgeregelten Antrieben
- bis zu 400 digitalen SPS Eingängen
- bis zu 250 digitalen SPS Ausgängen
- bis zu 200 m Edelstahl-Kabelkanal
- bis zu 7 km Leitungen (trotz dezentraler Technik)
Je Produktionsmodul erfolgt die Steuerung durch eine SPS-Steuerung Typ Siemens S7-400 mit bis zu 3 Profibus-Masteranschaltungen, die die Kommunikation mit der übergeordneten Leitsteuerung und allen Sensoren und Aktoren der Anlage übernehmen.
Die Geschwindigkeitsverstellung der Antriebe erfolgt über dezentrale Frequenzumrichter Typ SEW Movimot®, die über Feldverteiler am Profibus angeschlossen sind. Über die Feldverteiler wird die Verbindung zu SPS-Steuerung, aber auch die Versorgung mit 400 V und 24 V hergestellt. So ist nicht nur der Profibus als "Bus" verlegt, sondern auch die 400 V und 24 V.

